In der Ruhe liegt die Kraft

Spazieren gehen und auf einer Bank ausruhen, womöglich auch noch auf einer Parkbank. Das ist was für Langweiler, dachte ich. Bis ich die Stille entdeckte, jede einzelne Farbe der Natur betrachte und das von Bänken, die alles andere als langweilig waren, sondern die an den aussichtsreichsten und entspanntesten Orten standen. Das ich einmal Entspannung gebrauchen könnte, damit hatte ich bis dato nicht gerechnet. Bisher verlief mein Leben wie im Flug. Mal eben schnell die Karriereleiter hochklettern und dann volle Kraft voraus im Job ausbrennen. Doch das funktionierte aufeinmal nicht mehr.

Wie der Blick von oben mir den Kopf verdrehte

Das Leben ist wertvoll und warum sollten wir uns dabei hetzen und wie in einem Zug mit 300 Stundenkilometern an den schönen Plätzen mit Scheuklappen vorbei rauschen? Es war eine Bank in Müstair in der Schweiz, die mich zur Vernunft brachte. Nach einem anstrengenden Jahr machten wir Urlaub im abgelegenen und wenig bewohnten naturgeschützten Tal in der Schweiz, um völlig außer Puste kurz inne zu halten und langsam in das neue Jahr zu starten. Es war ein herrlicher frischer Morgen. Die Sonne schien am wolkenfreien Himmel und es lag ein leichter Nebel über den Wiesen des Tals. Wir brachen auf zu einer Wanderung zum nächstgelegenen Ort und spazierten von dort entlang eines Flusses wieder zurück. Zunächst verlief die Wanderung steil bergauf bis wir etwa zweihundert Höhenmeter über dem Fluss auf der rechten Seite der Bergkette einen schmalen Pfad geradeaus liefen. Von oben sah das kleine Dorf Müstair noch beschaulicher aus. Die Bäume im Tal wirkten wie Playmobilfiguren und der Fluss in der Mitte schien wie ein dicker Pinselstrich inmitten einer malerischen Landschaft. Die Welt von oben anzusehen gibt Abstand und man verliert das Gefühl für die Zeit.

Wie ein Bankerl alles veränderte

Auf einem Bankerl entlang des Pfades schien dann plötzlich die Welt stehen zu bleiben. Alles war still, der Wasserfall in der Nähe des Pfades war eingefroren und der Nebel wich allmählich und hinterließ strahlende Wiesen mit frischem Tau. Ich atmete tief ein und genoss. Ich liebte den Anblick, der sich mir auf dem Bankerl auftat und ich merkte, wie ich den hektischen Alltag vergaß. Alles wurde ruhig in mir. Ich war entspannt wie noch nie. Auf dem Rückweg spürte ich förmlich die Energie in mir. Ich hüpfte fröhlich den hölzernen weg am Fluss entlang als wäre ich betrunken. Die Anspannung war wie weg geflogen, das Jahr geschafft. Nun konnte ein neues Jahr kommen. Ein bunteres und eins mit mehr Ruhephasen auf entspannten Bankerln.

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